076_Drei Giebelhäuser

Drei kleine Häuser stehen nebeneinander. Sie bilden kein Gehöft, keinen Hof, keine Villa. Und doch entsteht aus ihrer Reihung ein Haus. Der Entwurf zerlegt das Wohnprogramm in drei einfache Giebelkörper und gewinnt daraus eine räumliche Ordnung, die weniger über Größe als über Abstand, Schwelle und Zwischenraum wirkt.

Die drei Riegel sind klar benannt. Der erste nimmt Gäste auf, darunter Garage, Technik und Nebenräume. Der zweite ist der öffentliche Teil des Hauses: Kochen, Essen, Wohnen. Der dritte gehört dem Privaten, den Schlafräumen, dem Arbeiten, dem Rückzug. Damit wird das Einfamilienhaus nicht als kompakter Organismus verstanden, sondern als kleine Folge verwandter Häuser, die unterschiedliche Grade von Öffentlichkeit und Nähe aufnehmen.

Entscheidend sind die Räume dazwischen. Die Giebelkörper stehen nicht gleichmäßig gereiht, sondern in wechselnden Abständen. Aus diesen Differenzen entstehen Außenräume eigener Art: ein gefasster Auftakt, ein geschützter Terrassenraum, seitliche Durchblicke, offene Gartenbereiche. Was andernorts Restfläche wäre, wird hier zum eigentlichen architektonischen Mittel. Die Zwischenräume trennen und verbinden zugleich.

Die Lage am Wendehammer wird dabei nüchtern genutzt. Das Grundstück fällt nicht als gleichmäßiger Hang, sondern bildet eine Böschung zur tieferliegenden Erschließung. Diese Differenz erlaubt es, den Gästeriegel zu unterkellern und Garage sowie Technik selbstverständlich aufzunehmen. Darüber bleibt die Figur der drei Giebelhäuser ruhig und maßstäblich. Der Sockel tritt nicht als großes topografisches Motiv auf, sondern als pragmatische Einbindung der Ankunft.

Die Typologie ist vertraut: Satteldach, Holzfassade, stehende Schalung, große Öffnungen, bewegliche Lamellen. Aber die Wiederholung verschiebt die Wahrnehmung. Aus dem einzelnen Haus wird eine Sequenz. Aus dem Dach wird Rhythmus. Aus der Fassade wird ein Spiel von Offenheit und Filterung. Die Lamellen geben den großen Verglasungen Tiefe und schützen vor Einblicken, ohne das Verhältnis zum Garten zu kappen.

So entsteht ein Wohnhaus, das seine Komplexität nicht aus formaler Zuspitzung bezieht. Es ordnet den Alltag. Es gibt Gästen eine eigene Adresse, dem gemeinsamen Wohnen eine Mitte und dem Privaten einen Abstand. Die Architektur bleibt dabei gelassen. Ihre Qualität liegt in der Genauigkeit der Setzung: drei Giebel, drei Riegel, mehrere Außenräume — ein Haus, das aus der Differenz seiner Teile lebt.

076_Perspektive Westen
076_Perspektive Süden
076_Perspektive Straßenseite
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